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1. Rundbrief
Thursday, 18 January 2007
Ja, ich bin schon ca. 10 Tage in Indien und gewoehne mich gut und zuegig an die Kultur. Ich liebe soweit alles, was indisch ist ! Das Essen ist meistens ungeheuer scharf, aber das mag ich ja ! Meist essen wir Reis mit Gemuese, Sossen, manchmal Huehnchen, Nudeln aus dem Wok frisch am Strassenrand zubereitet, gepressten Fruchtsaft, Kokosnuss und wir geniessen natuerlich den indischen chai, den suessen Tee mit Milch !! Lecker, lecker.
 
Wir sind sehr gut untergebracht direkt neben einer katholischen Kathedrale und unser "Hostel" hat einen eigenen Gebetsraum, in dem Jesus am Kreuz pink und violett angeleuchtet wird ! Ein schoener Platz fuer stille Zeiten. Die Betten sind aus Massivholz und man koennte glauben, dass die Matratzen es auch sind ! hahaha  aaaach, kein Problem, wenn man sich ein paar Mal mehr pro Nacht umdreht... Hey, wir haben sogar fliessendes Wasser, aber leider kein warmes. Da das Wetter aber immer heisser werden wird, werden wir das kalte Wasser immer mehr zu schaetzen wissen. Zur Zeit haben wir an die 30 Grad jeden Tag. Ich weiss, dass ihr all die netten Details des taeglichen Lebens hoeren moechtet, also erzaehle ich euch auch, dass wir jeden Toilettengang OHNE Klopapier managen !! Jawohl, wir waschen uns mit einem kleinen Kaennchen und jeder besitzt ein Tuch zum Trocknen (das ist allerdings schon Luxus). Wir Maedels tragen ja immer Punjabis, d.h. weite Hosen oben, die leicht enger werden und ein langes Oberteil bis ueber die Knie plus Schal in passender Farbe. Wenn man den nicht an hat gilt man als nackt bzw. nicht proper gekleidet. Na ja jedenfalls trocknet man auch sehr schnell in den punjabis, wenn man sein persoenliches Tuch nicht dabei hat...z.B. bei der Arbeit im Krankenhaus...
 
Ja, vieles im Krankenhaus erinnert mich an Nigeria und die Zustaende dort. An meinem ersten Tag dort war ich allerdings nicht auf das gefasst, was ich zu sehen bekam. Dies war im Babyzimmer, wo die Neu- und Fruehgeborenen nach der Entbindung sind. Das erste Baby lag im Sterben und japste schwerlich nach Luft. Ich war total ergriffen und hab versucht das Baby zu stimulieren, hoerte nach dem Herzschlag und begann mit einer Herzmassage. Ein Beatmungsbeutel war in der Naehe und ich beatmete parallel zur Massage, da die Vitalwerte wiederbelebungsbeduerftig waren. In meinem Kopf passierte alles so schnell, so dass ich dann erst dachte: warum ist denn hier keiner ? Kein Alarm, keine Schwester.. nur ein sterbendes Baby. Mir wurde klar, dass dieses Baby hier keine Chance hat und die Schwestern und Aerzte dies genau wissen. Die anderen Maedchen beteten mit mir und fuer das Kleine. Dieses Neugeborene war nur zum Sterben hier. Die kleinen Bettchen waren vollgepackt mit Neugeborenen wie in eine Sardinenbuechse. Das dritte Baby, das ich sah, war genauso schlecht dran wie das erste. Eines meiner Teammitglieder rief mich zu einem anderen Bettchen und fragte, ob dieses Baby noch lebte. Nur noch aufgewaermt von der Waermelampe lag es bereits tot in seinem Bett. Wer weiss wie lange schon ? Noch ein Baby, das im Sterben lag, in einem anderen Bett. An jenem Nachmittag hatten bereits vier Babies ihr ganzes Leben gelebt. Ich konnte nur beten und die kleinen Schaetze in Gottes Hand befehlen. Ich untersuchte jedes weitere und wir legten ihnen die Haende auf und segneten sie. Das war mein erster Tag im "Government Maternity Hospital".
 
Mittlerweile gehen wir regelmaessig auf diese Babystation und fuettern die Kleinen und schenken den zurueckgelassenen Maedchen (jeder moechte in Indien gerne Jungs als Nachkommen haben) besondere Aufmerksamkeit.
 
Am zweiten Tag im Krankenhaus arbeitet ich im Kreissaal, der wie ein grosser Schlafraum aussieht. Glasscheiben trennen die einzelnen Metallbetten ohne Auflage. Ein gesundes Maedchen habe ich zur Welt gebracht, ein weiteres zwei Tage danach. Eine Mutter hat mich gebeten ihrer Tochter einen Namen zu geben und ich gab ihr den Namen Lilian  (Lillianne), dessen Bedeutung unter anderem "Gnade" ist (Grace).
 
Die Zeit ist ist jetzt schon intensiv, herausfordernd und teils sehr zehrend, aber ich weiss, dass ich am richtigen Platz bin ! Genau dort, wo Gott mich haben moechte. Ich kann mir keinen schoeneren Ort vorstellen.
 
17.1.07
Ich habe zwei gesunde Jungs auf die Welt geholfen. Sie sind wunderschoen. Ich nannte den einen Josia !! Ein kleiner Schatz. Der zweite (einer anderen Mutter) hatte so viel Aehnlichkeit mit einem Teammitglied der School of worship, der zwar Amerikaner, aber phillpinischer Abstammung ist. Ich nannte ihn Sean ! Ich betete fuer einen starken Charakter, und dass er einen "spirit of worship" haben wuerde.
Kinder sind wunderbare Geschenke Gottes. 
 
Die Verlassenen Maedchen auf der Station wachsen, nehmen zu und werden kraeftiger.
 
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