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Es geht um mehr als Medizin
Saturday, 17 March 2007
17. Maerz 2007
 
Letzte Woche ist mein mega-langer Rundbrief beim Speicherprozess abhanden gekommen und ich hatte keine Musse alles nochmal zu schreiben. Nun ist schon wieder eine Woche um und der Brief koennte laenger und laenger werden. ... Einmal Luft holen...und durch:
 
Mir geht es sehr gut. Von Typhus bin ich bisher verschont und ueberhaupt scheint es, dass ich nicht mal so wenig krank werde, dass ich einen Tag bei der Hitze zu Hause verschnaufen darf. :0) Haha Ja, bei uns wird es heisser und drueckender bei Temperaturen um die 35 Grad, was ich ja eigentlich sehr geniesse. Bei der Arbeit im Krankenhaus ist der Kittel nur sehr stoerend und die Fluessigkeit, die bei der Arbeit verlorengeht, kann ich nur einigermassen in der Mittagspause ausgleichen. Die Aermel des Kittel habe ich schon verabschiedet und wenn die Zeit hier rum ist, bleibt der Kittel auch hier in Indien. Ich habe keine Hoffnung, dass die ganzen Fruchtwasser und Blutspritzer verschiedener Muetter und Kinder je wieder rausgewaschen werden koennen... Ein Lob auf Bleiche und Scheuermittel..Nun denn.
 
Bisher habe ich 22 Babies auf die Welt gebracht, ueber ihnen gebetet, sie fotografiert und mittlerweile auch ein Familie im Rahmen der Nachsorge in ihrem Dorf besucht. Der kleine "Pete" war zu dem Zeitpunkt wohlgenaehrt und sehr gesund, wie die Mutter auch. Es war eine Ueberaschung fuer sie drei weisse Gesichter in ihrem ein-Zimmer Haeuschen zu sehen, aber es war eine sehr schoene Zeit. Sie kauften fuer uns Chai und Thumbs up, was eine Cola-variante und hier sehr beliebt ist. Anne, eine Mitstudentin, erzaehlte die Geschichte mit Jesus, als er die 5000 speist, indem er das Brot und den Fisch vermehrte und wir kamen ins Gespraech ueber unseren Glauben mit der Familie. Es stellte sich heraus, dass diese Familie schon vorbereitet war und schon viel von Jesus gehoert hatte in ihrem Dorf. Vier Erwachsene namen das Angebot an, Jesus in ihr Leben zu lassen und ihn ganz persoenlich naeher kennenlernen zu wollen. Sie sprachen ein Gebet mit uns und wir segneten sie danach. Es war wunderschoen und wir wollen sie unbedingt wieder besuchen und beten, dass sie viele neue Kontakte mit den Christen in ihrem Dorf knuepfen koennen. Diese Familie hatte ihren hinduistischen Glauben verworfen, da sie in einer niedrigen Kaste geboren waren und das Ungleichgewicht in der Gesellschaft nicht mittragen wollten. Das jedenfalls habe ich aus dem Gespraech mit unserem Uebersetzer an dem Tag uebernommen. Wir sind total dankbar fuer diese Begegnung.
Einen Tag spaeter erfahren wir bei unserem Teamtreffen, dass 10 weitere Inder ihr Leben mit Jesus Christus leben wollen und dies nach einer Predigt von Mattias (Ehemann einer Mitstudentin, Predigt ueber das Vaterherz Gottes) durch Gebet mit ihm festmachten. Darunter war ein Ehepaar von ca. 60 Jahren, die auf Mattias in Telugu einredeten und er verzweifelt nach einem Uebersetzer suchte. Als dieser zur Stelle war, uebersetzte er nur: "Diese Menschen wollen Jesus !!"
Letzte Woche bei einem Hausbesuch kam es zu weiteren Gespraechen mit einem Ehepaar, das nach einem tiefen Gespraech ueber Jesus als Sohn Gottes, der fuer uns gestorben ist, damit wir schuldfrei unser Leben leben duerfen und das ewige leben haben, ..also nach Erklaerung des gesamten Evangeliums, hatten die beiden Traenen in den Augen und nahmen Jesus als ihren persoenlichen Retter an.
 
Ich schreibe das alles, weil ich euch mitteilen moechte, dass unser Einsatz hier letztlich ja doch darum geht Menschen zu Jesus zu bringen und ihnen eine Hoffnung zu geben, die sie in keiner anderen Religion finden. Es erfuellt mich mit grosser Freude und begeistert mich, dass hier wirklich beides zusammentrifft: Mission und Medizin. Das ist es, was ich mein Leben lang machen moechte ! Ich moechte Menschen heil werden sehen, geistlich und koerperlich. Ich lerne so viel im medizinischen Bereich und ich bin so dankbar, dass ich bisher so viele Geburten durchfuehren durfte. Aber letztlich hat diese Arbeit keinen Ewigkeitswert fuer den Einzelnen, es sei denn wir geben ihnen etwas, dass ihre Ewigkeit veraendert....und das ist in Jesus zu finden ! Ich lerne zudem auch in Bereichen zu wachsen, mit denen ich in Deutschland nicht oder nur sehr selten in Beruehrung kommen wuerde. Tod und Leben so nah beieinander, einfach ein Teil des Alltags, das scheint bei uns undenkbar zu sein. Hier jedoch lehrt es uns das Leben neu als Geschenk zu sehen, das eben nicht selbstverstaendlich ist, wenn man in den Wehen liegt. Hier lernen wir abzugeben und loszulassen - genauso wie das neue Leben in die Arme zu schliessen und lieb zu haben.
 
Eine Begebenheit letzte Woche hat uns alle sehr beruehrt: Ein Neugeborenes kam unter Komplikationen auf die Welt und lag sehr lange mit dem Kopf im letzten Teil des Geburtskanals. Der Stress der Wehen und der Druck auf das Gehirn waren zu lange zu intensiv und das Noch-nicht-Geborene kam als Totgeburt auf die Welt. Sobald es abgenabelt war, begannen im Nebenraum die Reanimationsmassnahmen mit zwei unserer Mitarbeiter und einer Aerztin vor Ort. Kein Herzschlag und keine Atmung fuer 5 Minuten nach Geburt. Das Neugeborene wurde von den Fachaerzten bereits aufgegeben und eine sagte nur halbherzig zu uns:"Ihr koennt ja noch fuer 5 Minuten weitermachen." Das taten Consuelo (Mitarbeiterin und Tutor) und Michaela (Studentin) auch. Sie setzten die Herzmassage fort und kurz nach diesen ersten 5 Minuten, spuerten sie einen Herzschlag, der sich weiterhin stabilisierte. Es stellte sich jedoch keine Atmung ein. Also machten die beiden weiter und beatmeten den kleinen Schatz. Laurie (ebenfalls Mitstudentin) betete die ganze Zeit laut und half, wo sie konnte. Mittlerweile hatte sich eine Traube von Schwesternschuelerinnen um die drei versammelt und einige Aerzte sahen zu. Alle waren mehr ueberrascht, dass die drei nicht aufgaben und unbeindruckt weitermachten. Eine Schwester, die den Gebeten zuhoerte, sagte sogar: Ja, Jesus, rette dieses Baby ! Consuelo rief im Takt der Beatmung: DU WIRST LEBEN ! DU WIRST LEBEN !! Und 30 Minuten spaeter hoerten sie den ersten eigenen Atemzug des kleinen Schatzes ! Spaeter sagte der Paediater auf der (sogenannten) Kinderintensiv, dass es dem Baby gut ginge und sie sehr dankbar sei, dass die drei das Neugeborene nicht aufgegeben hatten ! Mittlerweile ist der Junge gesund entlassen worden !
Ihr muesst euch vorstellen, dass dieses Baby Sekunden davon entfernt war, von den zustaendigen Fachaerzten fuer tot erklaert zu werden und in einer Metallschale zu landen !! Wir sind absolut ueberzeugt, dass Gott unsere Gebete erhoert hat und den kleinen Jungen ins Leben zurueckgeholt hat. Medizinisch gesehen haben wir getan, was moeglich war, d.h. eine Saeuglingsreanimation ohne Medikamente oder Intubation plus Sauerstoff, nur blosse Haende und einen Baby-Ambubeutel und ca. 35 Minuten unserer Zeit. Den Rest hat Gott geschenkt,...denn glaubt mir, wir haben bisher viele Babies reanimiert und viele sind nicht zurueckgekommen. Niemand hat den Ausgang in der Hand ausser Gott allein.
 
Ich liebe diese Arbeit und ich bereue keinen Tag, den ich hier erleben darf. Was fuer ein Privileg in diesen Stunden einer Geburt bei der Mutter und ihrem Kind zu sein ! Ich bin hier als Hebamme und nicht als Aerztin, aber diese Erfahrung wird mich nach dieser Schulzeit als Aerztin sehr weit bringen und ich bin sehr, sehr dankbar dafuer, dass ich durch eure Unterstuetzung hier sein darf. Vielen Dank fuer alle Gebete und eure finanzielle Unterstuetzung !! Ich fuehle mich sehr getragen - in jeder Hinsicht.
 
Es gaebe noch so viel mehr zu erzaehlen, aber ich mache hier jetzt erstmal Schluss.
Ganz liebe Gruesse und Segenswuensche aus Indien.
 
Eure Sina
 
PS: Ein Paeckchen aus Deutschland brauchte letztens nur 1 Woche ! :o) Ich freue mich ueber Rueckmeldungen und Briefe aus der Heimat. Schreibt mir wie es euch geht !
Last Updated ( Saturday, 24 March 2007 )
 
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