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Indische Ostern, 29 Babies und tropische Hitze bei prasselndem Regen
Saturday, 14 April 2007
Indische Ostern
An Karfreitag standen einige von uns frueh auf, um bei einer Prozession zuzuschauen, die quasi direkt vor unserer Haustuer stattfand. Ein Team von Indern, involviert mit der christlichen Kirche, haben ein wunderschoenes Schauspiel aufgefuehrt, die Jesu Verurteilung, Misshandlung und seine Kreuzigung zeigten. Es war sehr bewegend. Die Kostueme waren kunstvoll angefertigt und das Schauspiel wurde laut ueber Mikros mit Musik uebertragen. Obwohl es erst 7 Uhr morgens war, brannte die Sonne schon heiss und die heisse Atmosphaere gab dem Schauplatz - in Form eines Schotterplatzes, der als Fussballfeld genutzt wurde - einen besonderen Anklang. Man fuehlte sich dirkt an den Ort des Geschehens versetzt.
Der Tag blieb fuer uns frei von Krankenhausarbeit, jedoch hatten wir den Tag gefuellt mit Gemeinschaft in unserem Team. Zeit im Gebet und eine stille Zeit, in der wir uns besonnen haben, was Gott uns alles geschenkt hat und was er in uns getan hat seit Beginn des Jahres. Es war ein toller Rueckblick und eine sehr persoehnliche Zeit, wo sich jeder sehr offen mitgeteilt hat. Unser Samstag war ein freier Tag und Sonntag hatten wir Lobpreis und Anbetung auf dem Dach unserer Unterkunft bei Sonnenaufgang ! Es ging weiter mit Osterandacht zur Auferstehung und spaeter mit Osterbrunch, Eierbemalen und Eiersuchen im kleinen Vorhof des PastorenCenters, wo wir wohnen. Sehr lustig.
Den Ostermontag verbrachten wir in einem Aquapark anderthalb Stunde von uns. Dieser Tag wurde uns von einem Ehepaar aus Perth gesponsort, wofuer wir alle extrem dankbar waren.
Weiterhin feucht und heiss - Tendenz steigend
Bei mittlerweile ueber 40 Grad Celsius brauchen wir ab und an eine Abkuehlung. Letzten Dienstag, am 10.4. haben wir unseren ersten REGENSCHAUER seit Anfang des Jahres geniessen duerfen. Seitdem hat es fast jeden Abend auf die Daecher geprasselt und die Luft mit Feuchtigkeit beschwert. Es ist jetzt nicht nur heiss, sondern auch sehr schwuel, aber gegen Abend und vor allem nachts ist es in der Tat angenehmer. Jedoch sagen uns die hiesigen Bewohner, dass dieser Regen um diese Zeit undgewoehnlich sei und wahrscheinlich nur ein paar Tage anhielte. Jeder versucht uns auf die heisseste Zeit Indiens vorzubereiten und erzaehlt wie unertraeglich es fuer uns werden wird.. hahaha. Nun ja, ich tausche trotzdem nicht mit euch in Deutschland :0)
Ein Leben genommen - ein Leben gegeben
Am 13. April habe ich mein 29. Baby auf die Welt gebracht. Es ist doch immer wieder etwas Besonderes. Leider hatten wir einige Minuten vorher einen letalen Ausgang einer Schwangerschaftskomplikation, wobei wir die Ursache nicht herausfanden. Die junge Schwangere wurde Minuten vorher aus einem anderen Krankenhaus ueberwiesen und kam bei uns praktisch bewusstlos an, in extrem kritischen Zustand und Fieber. Wenig spaeter hoerte das Herz auf zu schlagen und die Atmung wurde flach. Wir haben zwar reanimiert, jedoch waren die Pupillen schon lichtstarr und weit. Intubationsbesteck schien nicht vorhanden, Atropin statt Adrenalin, der Techniker fuer den Sauerstoff musste erst gerufen werden.... Innerhalb von Minuten ist die junge Frau in der 24. Schwangerschaftswoche gestorben und wurde aufgegeben. Eine Angehoerige stand an der Trage neben ihr und konnte nicht fassen, was geschah. Ich nahm sie in den Arm und sprach liebevoll mit ihr,..auch wenn sie meine Worte nicht verstand, konnte sie wenigstens meine Koerpersprache verstehen.
Sie lehnte sich an mich und weinte. Ich musste ganz schoen schlucken. Viele Schwesternschuelerinnen standen um uns und haben die Situation auch mitbekommen. Wir waren alle betroffen.
Wie gesagt - wenige Momente spaeter ruft mich Consuelo, eine unserer Tutoren, zu der Metallliege drei Schritte neben der Trage, und sagte " Diese Frau ist soweit, Drittgravida und 8 cm.." (Bereits die dritte Schwangerschaft, Muttermund fast vollstaendig) Ich zog meine Handschuhe an und untersuchte sie behutsam waehrend der Wehe und merkte wie sie den Kopf des Kindes ueber den Rest des Muttermundes schob. Drei Wehen spaeter brachte sie eine gesunde Tochter zur Welt. Sie schrie in den ersten Momenten und atmete kraeftig, APGAR 9 und 10, 3.2 kg, der Damm war intakt.
Ich fand die ganze Sache sehr krass. Es war wie ein absoluter Schift von Dunkelheit ins Licht. Der Koerper der verstorbenen Frau war immernoch mit uns im Raum, nur ein Schritt weiter und wir sahen wie ein neues Leben geschenkt wurde. Tod und Leben sind hier so dicht beieinander wie ich es noch nie zuvor erlebt habe. Das Schoenste ist, dass Gott sich hier so deutlich und persoehnlich offenbart, dass ich diese Arbeit trotz allem sehr schaetze und geniesse. Jeden Tag komme ich Gott naeher als ich den Tag zuvor war. Das Licht scheint sehr viel heller in der Dunkelheit. Es erinnert mich immer wieder an den Spruch: Veraendere, was du veraendern kannst und akzeptiere, was du nicht veraendern kannst. Frag nach der Weishait, das Eine vom Anderen zu unterscheiden. ...oder so aehnlich.
Meine Zeit ist hier in weniger als 6 Wochen um und es geht wieder nach Perth in Australien. Ganz bewusst kann ich noch keine konkrete Antwort geben, was mein naechster Schritt sein wird...aber ich weiss, dass er mit Gott sein wird.
Liebe Gruesse und Gottes reichen Segen. Sina
Last Updated ( Saturday, 14 April 2007 )
 
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